Common Listening: Filmscreening & Discussion

07 September 2015 / Acting Archives, Collaboration

Filmscreening of edits from “A-B-A-B-A : from here to hear” by Clara Jo

Filmscreening, poetry presentation and discussion at the Academy of Fine Arts Vienna with Clara Jo (artist, Berlin), Mihret Kebede (poet, Addis Abeba), Rike Scheffler (poet, Berlin), and Christina Werner (Berlin), hosted by Anette Baldauf, Professor for Methodology and Epistemology / PhD-in-Practice programm, Academy of Fine Arts Vienna


“Silenced Poem”

written and performed by Mihret Kebede, translated and performed by Rike Scheffler.

Mihrets poem is about silence. How silence is governing the city of Addis Abeba and how people are not speaking out loud but instead silence is growing. The poem is recalling the history of the Ethiopian king Menelik in the late 19th century. How he was wise enough to listen to the silence of the people and responded to their complaints on high taxation. In her poem, Mihret is having a conversation with the city of Addis Abeba today, asking: „My dear city, why are you so silent? Do we need to bring Menelik back to be heard? Do we need to bring another king to listen to your silence?“
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የጸጥታ ወግ

የጸጥታ ወግ

በጸጥታ መኃል … አርምሞ ለሰማ

ጸጥታ ወግ አለው … ሚኒሊክ እንዳለው !

አሁን እኔና አንተ … አሁን አንተና እኔ ካወራነው ሁላ

የትኛው ተወዶ … የትኛው ተጠላ ? ፤

ይሄው ከላይ መንደር

ሰው ከቀየው ጋራ … እንዳይነጋገር

ወገኛው ወዳጄ … ለራሱም ያልበጄ

ወግ ለሌለው ሃሳብ … ወግ እያሳደደ

የመንደሬውን ሃቅ … ቁርሾ እያደረገ

“ኮሽ” ባለ ቁጥር … ስንት ማቲ አስፈጄ ? ?

ኽረ እንዴት ነው ጎበዝ … ምንድነው ባገሬው እየሆነ ያለው …

ይሄኛው ከተማ … መኃል ሀገር ያለው

የሚለው እያለው… ለምን ነው ዝም ያለው ?

እያልኩ ደጋግሜ … እሞግተዋለሁ

ታሪክ ላጣ ቀየ … ታሪክ እመዛለሁ

እንደዚህ እላለሁ…

በጸጥታ መሃል … አርምሞ ለሰማ

ጸጥታ ወግ አለው … ሚኒሊክ እንዳለው ፤

እንግዲህ ሃሳቤ … በሃሳብ ተቀጣ

ስንት ንጉስ ይንገስ … ስንት ንጉስ ይምጣ

ጸጥ ያለው መንደሬ … ተንጦ … ተንጦ ቅቤ እንዲያወጣ ? ፤

አሁንም እዚያው ነኝ
ያልተተነተነ ብርቱ ጥያቄ አለኝ

ጸጥ … እረጭ እያለ … ቀየው ያወጋኛል

በዝምታው መሃል … ታሪክ ይነግረኛል

ታሪክ እየበላ … ታሪኬን ነጥቆኛል ፤

ሳንጃው ጎረቤቴም እንዲህ ያወጋኛል …

“የድሮ ዝምታ… የድሮ ዝምታ

ለንጉስ መብረቅ ነው … ለአምላክ ሹክሹክታ”

እያለ እያስባለ … ተስፋ ያስቆርጠኛል

ኑሮየን በነበር … በዜሮ እያጣፋ …

ትረካውን ነግሮ … ታሪክ የማይሰራ ትውልድ

ያደርገኛል ፤

እኔ ግን እዚያው ነኝ … እኔ ግን እዚያው ነኝ

ከከተማው መሃል … ከተማ ጠፍቶብኝ

ሰርክ የምፋለመው … ብርቱ ጥያቄ አለኝ ፤

“ኽረ አንተ ከተማ … ኽረ አንተ ከተማ

ጸጥ ካለው መንደርህ … ከቅኔው ገጽህ ላይ…

ወርቁን እንዲያወጣ

ስንት ዘመን እንፍጂ … ስንት ሀሳብ ይቀጣ

ጸጥታ ‘ሚያዳምጥ … ንጉስ እስኪመጣ ? ? ?”

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Dieses Gedicht

Dieses Gedicht handelt,

ist das Gegenteil und das Gleiche:

sein Inhalt, die Benennung, ist schon das Gedicht.

Es ist direkt, entsteht gerade, durch das, was es sagt,

das es ist, wenn es fragt: Geliebte, Stadt, was bist du so still?

Dann spricht dieses Gedicht, richtet sich gegen die Stille,

wie Mihret, wenn ihr Gedicht sie spricht. Von Menelik dem König.

Von Geschichte, die verstimmt ist, wird, und klingt.

Von Gold und Stille, von Ideen und Butter, Stolz und Milch.

Dieses Gedicht ermächtigt sich, macht einen Ort.

Geht weitaus über alles, alles Sprechen, macht viel Platz.

Dieses Gedicht lässt Geschichte in sich.

Lässt die Stille nicht zu, nimmt sie auf, dieses Gedicht spricht

zu allen Stillen, Bürgern und Bürgerinnen einer Stadt

als seien sie einer oder eine.

Dieses Gedicht selbst ist hier

eine Stadt, ist in einer Stadt, die sich aufmacht,

nach Verlorenem zu schauen: den Wegen, Häusern, Autos,

Kühltruhen, Hühnern, Händen, dem sanftem Mond, dem Abendlicht,

den schnellen Fingern, Zähnen, Zäunen, Zungen, Wünschen, Haustüren,

Katzen, Verwandten und den Anverwandten,

es fragt, es brütet, hütet sich, fragt nach den Stimmen:

Wieso sind sie so still?

Dieses Gedicht ist voller Liebe.

Es beruht auf Klängen, Kehllauten, dem Alphabet,

sehr vielen I’s und einem warmen Vokal.

Dieses Gedicht ist Addis Abeba.

Ist Ankara. Athen. Alabama. Jakata.

Ist aber auch Wien. Es schämt sich nicht,

es trägt das Gold, von dem es spricht.

Dieses Gedicht handelt, als möglicher Ort,

von Butter und Milch. Es handelt vom richtigen

Filtern und Schütteln: vom frei schütteln auf schütteln

aus schütteln um schütteln wach schütteln nach schütteln

vor schütteln voll schütteln voll

Dieses Gedicht fragt nach Königen wie nach großen Ideen.

Es macht die Stimmen zum König. Es macht mächtig.

Macht Macht. Es handelt vom Handeln, aus der Stille.

Dieses Gedicht ist nicht still.